Warum „1917“ kein moderner Antikriegsfilm ist

Review: ‘1917’ Might Be The Best Movie Of 2019

Warum „1917“ kein moderner Antikriegsfilm ist

Mit dem viel gelobten Kriegsfilm „1917“ wird ein einfacher Plot technisch präzise erzählt. Die Geschichte um zwei junge Soldaten bringt die Schrecken und das Elend des Krieges zurück, wie wir ihn von “ Der Soldat James Ryan“ kennen. Doch heute brauchen wir ganz andere Antikriegsfilme.

“1917” ist ein solider Film, der eine simple Geschichte dramaturgisch gekonnt erzählt und herausragt durch die technisch versierte Kameraführung unter Leitung von Roger Deakins. Die zwei jungen, englischen Soldaten Blake und Schofield sollen innerhalb kürzester Zeit feindliches Gebiet durchqueren, um eine Einheit von 1600 Soldaten vor einem Hinterhalt zu bewahren. Schaffen die beiden jungen Männer es, retten sie die Einheit und mit ihr den älteren Bruder Blakes vor einem Massaker.

Getragen wird die Geschichte von der schauspielerischen Leistung der Hauptfigur Schofield verkörpert von George MacKay.  Regisseur Sam Mendes hat das Drehbuch zusammen mit Krysty Wilson-Cairnes geschrieben und darin einige Familiengeschichten verwoben. Produziert wurde der Film von Spielbergs Firma Amblin Partners, womit die Eckdaten den Horizont des Films bereits feststecken. Denn abgesehen von der viel gerühmten Kameraführung unterscheidet sich “1917” weder ästhetisch noch im Handlungsprinzip sonderlich von Spielbergs zwanzig Jahre älterem Film “Der Soldat James Ryan”.

Voraussehbare Handlung festgefahren in alten Rollenbildern
“1917” verlässt sich auf Geschichten und Bilder, die wir alle kennen, die Meisten von uns wohlgemerkt nur als Fiktion. Er bedient typische #Rollenbilder der Vorkriegszeit. Besonders gut dargestellt wird das mit der Szene einer jungen Französin, die nichts zur Handlung des Filmes beiträgt. Diese junge Frau lebt als einzig Zurückgebliebene in den Ruinen einer von deutschen Soldaten vollkommen zerstörten Kleinstadt und kümmert sich zudem um ein verwaistes Baby. Warum sie allein dort in den Trümmern kauert, ständig der potentiellen Gefahr ausgesetzt von deutschen Soldaten entdeckt zu werden, bleibt unklar. Ihre einzige Aufgabe ist es die Wunde des Hauptprotagonisten zu versorgen, um ihn kurz darauf ängstlich zu bitten, noch bei ihr zu bleiben. Der Soldat muss ablehnen und lässt die Frau und das Baby allein im Kellerloch zurück.

Warum es Antikriegsfilme geben muss
Zumindest hätte die Story um die beiden Soldaten zu Ende gedacht werden können. Wäre alles umsonst gewesen mit einem Massaker an der zu rettenden Einheit, so wäre die Sinnlosigkeit des Krieges, seine Grausamkeit in Ansätzen vor Augen geführt worden. Krieg ist Schrecken, Tod und Wahnsinn an dessen Ende noch viele Jahrzehnte meist stummes Leid die nächsten Generationen beeinflusst. In „1917“ aber hat er einen Sinn und kaum jemand fragt sich (bis auf einen englischen Soldaten), was sie eigentlich in diesem fremden Frankreich tun, dessen Sprache die meisten der Soldaten nicht sprechen und dessen Kultur ihnen nicht eigen ist.

Fast jede Handlung im Film ist vorauszusehen von den Explosionen im ehemaligen Feindesland über die Beziehung Schofields and Blakes zueinander bis zum rettenden Ende. Dazu werden Muster bespielt, die wir seit Jahren überwinden wollen. Warum sie alle noch einmal aufrollen? 

#Patriarchale Gesellschaften sind geneigter Kriege zu führen, das lehrt uns eine Jahrtausende alte Geschichte. Das alte Rollendenken aufzubrechen ist deshalb keine Option sondern langfristig obligatorisch, um eine plurale, gerechtere Welt zu ermöglichen, die sich darauf konzentriert den Planeten nicht noch mehr auszubeuten und zu zerstören. 

Ein moderner Kriegsfilm sollte auf genau diese Gefahren hinweisen und könnte sich zudem an aktuellen Krisen abarbeiten, wie jene im Nahen Osten. Dort sollten Antikriegsfilme angelegt sein und nicht im weißen, post-kolonialen Europa des Fin de Siècle, dass vor hundert Jahren im Großen Krieg ein erstes, langsames Ende fand.

“1917” läuft seit dem 16.1. in den deutschen Kinos.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s